Gefahren für Bienen im Sommer
Wenn die Temperaturen steigen, wird der Sommer für viele Bienen zur Überlebensprobe. Extreme Hitze, anhaltende Trockenheit und ein schwindendes Nahrungsangebot setzen den nützlichen Insekten ebenso zu wie Pestizide oder Krankheiten.

Warum der Sommer zur Belastungsprobe für Bienen wird
Im Sommer erreicht die Aktivität eines Bienenvolkes ihren Höhepunkt. Gleichzeitig häufen sich aber auch die Belastungen von außen auf die Tiere. Hohe Temperaturen, längere Trockenphasen und zum Teil starke Gewitter gehören mittlerweile zum typischen Sommer und wirken sich direkt auf die Bienen und ihre Umgebung aus.
Während die Völker im Frühjahr oft noch ein reiches Blütenangebot vorfinden, nimmt dieses im Hochsommer an vielen Orten deutlich ab. Hinzu kommt, dass in landwirtschaftlich geprägten Regionen häufig genau in dieser Zeit Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die den Bienen erheblich schaden.
Hitzestress im Bienenvolk
Honigbienen halten im Brutnest eine sehr konstante Temperatur von etwa 32 bis 36 Grad, damit sich Eier, Larven und Puppen gesund entwickeln können. Steigen die Außentemperaturen deutlich, kann sich der Bienstock stark aufheizen und die Tiere geraten unter Hitzestress.
Untersuchungen aus der Bienenforschung zeigen, dass anhaltend hohe Temperaturen die Lebensdauer der Bienen verkürzen und bei extremer Hitze sogar zum Verlust ganzer Völker führen können. Die Arbeiterinnen müssen dann einen großen Teil ihrer Energie in die Kühlung des Stockes investieren, etwa indem sie Wasser in den Stock bringen und durch Flügelschlagen für Verdunstung sorgen. Dadurch stehen weniger Sammlerinnen für Nektar und Pollen zur Verfügung, was die Versorgung des Volkes zusätzlich schwächt.
Hitzestress wirkt sich auch auf die Brutqualität aus. Wird die optimale Temperatur dauerhaft überschritten, entwickeln sich die Larven schlechter – es schlüpfen weniger gesunde Jungbienen und die Tiere zeigen später Einschränkungen in ihrer Lernfähigkeit und dem Orientierungsvermögen.
Trockenheit und Nahrungsmangel
Neben der Hitze stellt die zunehmende Trockenheit im Sommer eine wesentliche Gefahr dar. Viele Blütenpflanzen produzieren bei langer Trockenheit deutlich weniger Nektar, teilweise vertrocknen Blüten, noch bevor sie von Bienen genutzt werden können. Für die Völker bedeutet dies, dass sie trotz intensiver Sammelflüge weniger Nahrung einbringen und Lücken in der Versorgung entstehen.
Besonders kritisch ist die Phase nach der Frühtracht, wenn in vielen Regionen die großen Massentrachten vorbei sind und im Hochsommer nur noch begrenzte Pollen- und Nektarquellen zur Verfügung stehen. Bienen müssen dann größere Distanzen zurücklegen, was sie zusätzliche Energie kostet und die Belastung der Flugbienen erhöht.
Wenn wenig Pollen vorhanden ist, produzieren die Bienen weniger Futtersaft, was sich direkt auf die Aufzucht der Brut auswirkt. Eine geringe Brutleistung im Sommer führt dazu, dass im Herbst weniger junge, langlebige Bienen heranwachsen. Es ist daher entscheidend, dass in der Landschaft auch im Hoch- und Spätsommer ausreichend blühende Pflanzen vorhanden sind. Blühstreifen, Staudenbeete, spätblühende Sträucher und vielfältige Gärten können dazu beitragen, die Nahrungslücken zu schließen.

Räuberei und Konkurrenz
Im Hochsommer kommt es häufig zu sogenannter Räuberei, wenn Bienen aus anderen Völkern, Wespen oder auch Hummeln versuchen, an die Honigvorräte eines Volkes zu gelangen. Grund ist oft ein Nahrungsengpass in der Umgebung, der den Druck auf alle Insekten erhöht. Am Flugloch lassen sich in dieser Zeit vermehrt Wächterbienen beobachten, die den Eingang kontrollieren und fremde Insekten abwehren.
Kommt es dennoch zu Räuberei, kann ein angegriffenes Volk erheblichen Honigverlust erleiden und die Kämpfe zwischen den Insekten führen zu Verletzungen und Verlusten unter den Bienen. Für geschwächte Völker besteht das Risiko, dass sie einer massiven Räuberei nicht standhalten und ausgeraubt werden.
Räuberei wirkt sich nicht nur direkt durch Honigverluste aus, sondern erhöht auch das Risiko der Krankheitsübertragung. Wenn Bienen aus verschiedenen Völkern in engem Kontakt miteinander stehen oder Honig in fremden Waben aufnehmen, können Krankheitserreger und Parasiten leichter übertragen werden.
In Jahren mit ausgeprägter Sommertrockenheit und geringem Trachtangebot verstärkt sich dieses Problem zusätzlich. Imker können dem vorbeugen, indem sie Fluglöcher bei gefährdeten Völkern verengen, offene Futterquellen vermeiden und für eine starke Volkentwicklung sorgen.
Pflanzenschutzmittel
Ein weiterer Gefahrenfaktor für Bienen im Sommer sind chemische Pflanzenschutzmittel aus Landwirtschaft und Gartenbau. Viele Insektizide, insbesondere sogenannte systemische Wirkstoffe wie Neonicotinoide, werden von den Pflanzen aufgenommen und gelangen in die Pollen und den Nektar, die die Bienen sammeln.
Diese Stoffe greifen das Nervensystem der Insekten an, führen zu Orientierungsstörungen, beeinträchtigen das Sammelverhalten und können die Immunabwehr schwächen. Auch wenn die Dosierungen für einzelne Bienenvölker nicht sofort tödlich sind, zeigen Studien, dass bereits niedrige Konzentrationen die Lernfähigkeit und das Gedächtnis der Tiere deutlich beeinträchtigen können. Für das Volk kann das bedeuten, dass Sammelflüge weniger effizient werden, die Kommunikation im Stock gestört ist und die Gesamtleistung sinkt.
Krankheiten und Parasiten im Sommer
Krankheiten und Parasiten begleiten Bienen das ganze Jahr über, erreichen im Sommer jedoch ihren Höhepunkt. In dieser Zeit treffen hohe Brutaktivität, Hitze, mögliche Nahrungsengpässe und chemische Belastungen zusammen und schwächen das Volk zusätzlich. Besonders die Varroamilbe spielt eine zentrale Rolle, da sie sich in der Brut stark vermehrt und Viruserkrankungen begünstigt, die die Bienen langfristig schwächen.
Die Milbe lebt auf erwachsenen Bienen und in der verdeckelten Brut, wo sie sich von Körperflüssigkeiten der Bienenlarven ernährt und sich vermehrt. Dabei schwächt sie die Biene direkt und überträgt zusätzlich verschiedene Viren, sodass unbehandelte Völker bei starkem Befall häufig zusammenbrechen.
Schutzmaßnahmen für Bienen im Sommer
Der Mensch und insbesondere Imker können den Bienen im Sommer durch gezielte Maßnahmen helfen und die Gesundheit der Völker stärken. Imker, Landwirte und Gärtner tragen dabei gemeinsam die Verantwortung, indem sie Belastungen minimieren und die Qualität des Lebensraums verbessern.
Die wichtigsten Schritte sind:
- Schattenplätze & Hitzeschutz: Beuten sollten vor direkter Mittagssonne geschützt werden (z.B. durch Schattiernetze oder Aufstellen unter Bäumen). Eine gute Luftzirkulation im Stock, etwa durch offene Gitterböden, verhindert einen Hitzestau.
- Sicherstellung der Wasserversorgung: Bienen brauchen Wasser zur Kühlung des Brutraums. Flache Tränken mit Landehilfen (Steine, Korken, Moos) in unmittelbarer Nähe verhindern, dass die Bienen weite Wege fliegen müssen.
- Nahrungssicherung durch Spätblüher: Gezieltes Anlegen von Blühstreifen mit Pflanzen wie Sonnenblumen, Phacelia oder Borretsch hilft, die typische „Trachtlücke“ im Juli und August zu überbrücken.
- Vermeidung von Räuberei: Wenn der Nektar fehlt, stehlen Bienen bei Nachbarvölkern. Fluglöcher sollten verengt werden, um die Verteidigung zu erleichtern. Fütterungen durch den Imker dürfen nur spät abends erfolgen.
- Stärkung schwacher Völker: Nur vitale Völker können Hitze regulieren und sich gegen Angreifer wehren. Gegebenenfalls müssen schwache Einheiten vereinigt oder gezielt unterstützt werden.
- Verzicht auf Pestizide: Besonders im Hochsommer sind Insekten durch Hitze gestresst. Der Wechsel auf biologische Alternativen im Garten verhindert zusätzliche Vergiftungen und schont das Immunsystem der Tiere.
- Vorsicht bei der Honigernte: Imker sollten darauf achten, den Bienen nicht den gesamten Vorrat zu nehmen. Eine ausreichende Reserve an eigenem Honig im Volk reduziert den Stress und die Abhängigkeit von Notfütterungen.

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