Hummeln – Bestäuber für Gewächshäuser

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Hummeln – Bestäuber für Gewächshäuser

Autor: Robert Brungert, von https://www.familiengarten-tipps.de/

 

Nicht nur Tomaten gedeihen in Gewächshäusern und sind auf Bestäuber angewiesen. Aber wer hat schon einmal Honigbienen im Gewächshaus gesehen? Es waren zumindest nicht viele Exemplare.  Honigbienen und die meisten anderen Wildbienen geraten in Panik. Sie ertragen es nicht, dass der Raum eine Decke hat, und setzen zur Flucht an. Hummeln hingegen bewahren die Ruhe und bestäuben weiter. Sie können selbst in beengten Folientunneln eingesetzt werden.

 

Hummeln zählen als Gattung „Bombus“ zu den Wildbienen mit dem Unterschied, dass sie kleine Kolonien bilden. Einige heimische Hummelarten bilden Völker von 100 und andere von bis zu 500 Exemplaren. Solange ihnen spezielle Bedingungen angeboten werden, wird die professionelle Nachzucht gelingen.

 

Weitere Informationen zur kommerziellen Hummelzucht gibt es hier! 

 

Im Vergleich zu den Hummeln bildet ein Bienenvolk im Sommer zehntausende Exemplare, bis zu 80.000 Bienen sind in einem Bienenstock möglich. Wenige Völker genügen, um einen Hektar einer Kulturpflanze zu bestäuben.

 

Glücklicherweise zählen Hummeln zu den besonders fleißigen Bestäubern, wodurch nicht eine Biene durch eine Hummel ersetzt werden müsste. Demnach genügen bereits 5 Völker der Dunklen Erdhummel, um einen Hektar Tomaten zu bestäuben. Hummeln sind größer, stärker, schneller und arbeiten von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang.

Bild einer Hummel auf der Pollensuche auf einer Lavendelblüte

Die Schattenseiten der Hummelzucht

Es ist immer fragwürdig, wenn ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Tiere gezüchtet werden – das gilt auch für die Hummelzucht. Diese musste erst ab den 1970er Jahren erlernt werden und in der ersten kommerziellen Phase gab es nur Hummelvölker ohne Königin, die deswegen innerhalb von zwei bis vier Wochen abstarben.

 

Inzwischen gibt es die Möglichkeit, Hummelköniginnen das ganze Jahr über dazu zu bringen, einen Hummelstaat zu gründen. Junge Königinnen werden mit Drohnen in einen speziellen Raum gelassen. Nun würden die Königinnen noch in die Diapause gehen. Eine Behandlung mit Kohlendioxid kann diese ausblenden. Königinnen werden mit wenigen Arbeiterinnen in eine Kiste mit Nahrung gesetzt, wo dann die Eiablage beginnt. Schon entstehen Hummelvölker, die an Kunden ausgeliefert werden können.

 

Das eigentliche Problem lautet, dass ein Großteil der künstlich gebildeten Hummelvölker mit Parasiten verseucht ist. Treffen gezüchtete Hummeln auf Wildhummeln, kontaminieren sie diese und gefährden dadurch wilde Hummeln.

 

Dieses Problem wurde soweit erkannt, dass die Landwirte in einigen Ländern ihre Hummelvölker nach getaner Arbeit vernichten müssen. Es kann auch genehmigungspflichtig sein, künstlich gezüchtete Hummeln im Freien einzusetzen.

Weswegen Hummeln für die Bestäubung?

Nicht nur in Gewächshäusern, auch im Freiland werden Hummeln eingesetzt. Es handelt sich meistens um die Gartenhummel und die Dunkle Erdhummel. Hier gibt es direkt mehrere Gründe:

 

  • Hummeln sind haarig und saugen Pollen regelrecht auf, den sie anschließend sehr gut verteilen. Das ist beispielsweise für die Bestäubung von Erdbeeren sehr wichtig, damit keine deformierten Früchte entstehen.
  • Bei einigen Kulturen wie auch den Wassermelonen führen Hummeln zu gesteigerten Erträgen.
  • Einige Blüten, wie die von Tomaten, profitieren vom Rütteln – Honigbienen und normale Wildbienen rütteln nicht, Hummeln schon.
  • Hummeln sind größer, stärker und bestäuben auch deswegen einige Kulturpflanzen effektiver.
  • Gerade in Gewächshäusern werden Honigbienen panisch und stechen – Hummeln bleiben entspannt und stechen fast nie.
  • Honigbienen können erst ab 8° Celsius ausfliegen, Hummeln schon etwas früher. In Jahren mit ungünstiger Witterung retten Hummeln die Ernte.
  • Einige Blüten drücken den Bestäubern ihren Pollen mit einem Schlag auf den Bauch auf – die Luzerne gehört dazu. Honigbienen und normale Wildbienen mögen das überhaupt nicht, Hummeln macht es wenig aus. Luzerne wird deswegen höchstens zu einem Prozent von Honigbienen bestäubt.
  • Während Honigbienen einander andere Trachtpflanzen mitteilen können, bleiben Hummeln ihrem Standort treu. Jede Hummel sucht für sich ihren Weg, womit der Schwarm insgesamt dort bleibt, wo er ist.

Das alles führt dazu, dass Landwirte mit entsprechenden Kulturen nicht zum Imker gehen, sie kaufen Hummelvölker. Diese sind sehr teuer und halten je nach Situation nicht lange.

Als Hobbygärtner Hummelvölker kaufen?

Viele Hobbygärtner möchten ebenfalls von Hummeln profitieren. Sie können genau wie unsere Landwirte Hummelvölker kaufen. Das sollten sie jedoch nicht machen, da sie damit lediglich einen fragwürdigen Trend unterstützen. Besser ist es, den wildlebenden Hummeln eine lückenlos blühende Nektarweide anzubieten. Innerhalb von Jahren werden sich die Hummelbestände vergrößern, die Hummeln werden auch alles andere an Blütenpflanzen bestäuben.

 

Es ist immer besser, wildlebende Tiere und nicht deren künstlich erzeugte Nachzuchten zu fördern. Die Nektarweide kommt auch anderen Insektenarten zugute und es gibt vielfältige Bestäuber für alle Situationen.

Bienen Gesundheit

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