Ablauf der Honigernte

Was muss vor der Honigernte beachtet werden?
Vor der Honigernte sollten Imker sorgfältige Vorbereitungen treffen, um die Qualität des Honigs zu sichern und die Gesundheit der Bienenvölker zu erhalten. Hier sind einige wichtige Punkte, die dabei berücksichtigt werden sollten:
- Gesundheit der Bienenvölker überprüfen
Vor der Honigernte sollte sichergestellt werden, dass die Bienenvölker gesund sind. Eine Krankheit oder ein Parasitenbefall kann den Honigertrag beeinträchtigen und die Gesundheit der Bienen gefährden.
- Den Honigvorrat kontrollieren
Es ist wichtig, sicherzustellen, dass die Bienen genügend Honigvorräte für den Winter haben. So sollte nur so viel Honig entnommen werden, wie von den Bienen nicht mehr benötigt wird, um den Winter zu überstehen. Hierbei sollte genügend Honig in den Waben belassen werden, damit die Bienen ausreichend Nahrung für den Winter haben.
- Die Werkzeuge reinigen
Bevor mit der Honigernte gestartet werden kann, sollte sichergestellt werden, dass die Werkzeuge und Geräte sauber und desinfiziert sind, um eine Kontamination des Honigs zu vermeiden.
- Überschüssigen Honig aus den Waben entfernen
Um sicherzustellen, dass der Honig von höchster Qualität ist, sollte überschüssiger Honig aus den Waben entfernt werden. Dadurch wird verhindert, dass überschüssiger Honig in den entnommenen Waben verbleibt, was zu einer Vermischung von altem und neuem Honig führen kann.
- Die Waben auf einen Wachsmottenbefall überprüfen
Wachsmotten können Waben und Honigvorräte zerstören. Überprüfe daher die Waben sorgfältig auf Anzeichen von Wachsmottenbefall und behandle das Problem gegebenenfalls vor der Honigernte.
- Die Bienen beruhigen
Bevor mit der Honigernte begonnen werden kann, sollten die Bienen beruhigt werden, um Verletzungen zu vermeiden. Verwende beispielsweise Rauch oder spezielle Imker-Substanzen, um die Bienen zu beruhigen.

Doch wie genau sieht eigentlich der Ablauf der Honigernte aus?
1. Vorbereitung
- Alle Arbeitsgeräte (Schleuder, Siebe, Behälter) und die Imkerkleidung müssen gründlich gereinigt werden, da bei der Honigernte strenge Hygienevorschriften gelten.
- Die Bienenvölker werden auf ihre Gesundheit überprüft und es wird sichergestellt, dass ausreichend Honig für die Bienen im Stock verbleibt, damit sie den Winter überstehen.
- Der richtige Erntezeitpunkt ist entscheidend: Der Honig muss reif sein, was sich an einem niedrigen Wassergehalt (meist unter 18%) und an verdeckelten Waben erkennen lässt. Zur Kontrolle kann ein Refraktometer oder eine Spritzprobe verwendet werden.
- Am Vortag der Ernte wird meist eine Bienenflucht eingesetzt, damit die Honigwaben am Erntetag möglichst bienenfrei sind.
2. Entnahme der Honigwaben
- Die Honigwaben werden am besten am Morgen oder Vormittag entnommen, da dann weniger frischer Nektar in den Waben ist.
- Bienen, die noch auf den Waben sitzen, werden vorsichtig mit einem Bienenbesen oder einer Feder abgekehrt.
- Die bienenfreien Waben werden in eine Leerzarge oder eine verschließbare Box gehängt, um Räuberei zu verhindern.
3. Entdeckeln
- Die Waben sind mit einer dünnen Wachsschicht (Deckel) verschlossen, die entfernt werden muss.
- Zum Entdeckeln werden spezielle Werkzeuge wie Entdeckelungsgabeln oder Wabenmesser verwendet.
- Die entdeckelten Waben werden direkt zur Weiterverarbeitung gebracht, um Qualitätsverluste zu vermeiden.
4. Schleudern
- Die entdeckelten Waben werden senkrecht in die Honigschleuder gestellt.
- Zunächst wird mit niedriger Drehzahl begonnen, um ein Brechen der Waben zu verhindern; danach folgt eine höhere Drehzahl, um den Honig vollständig zu lösen.
- Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Zellen an die Trommelwand geschleudert und läuft ab.
5. Sieben
- Der Honig wird beim Ablaufen aus der Schleuder durch ein oder mehrere Siebe (meist Grob- und Feinsieb) gefiltert, um Wachsreste und andere Partikel zu entfernen.
- Anschließend ruht der Honig in einem luftdicht verschlossenen Behälter (Hobbock), damit Luftblasen und feine Schwebstoffe an die Oberfläche steigen können.
- Nach einigen Tagen wird der entstandene Schaum (bestehend aus Wachs- und Pollenresten) abgeschöpft.
6. Reifeprozess
Sobald der Hobbock voll ist, wird er luftdicht verschlossen. In den ersten Tagen bildet der Honig noch eine Art Schaumschicht, die aus Wachs und Pollenresten besteht. Diese wird mit einem Schaber entfernt.
- Der Honig ruht meist mehrere Wochen, bis der Kristallisationsprozess beginnt.
- Während dieser Zeit wird der Honig regelmäßig gerührt, um eine feine, cremige Konsistenz zu erhalten und grobe Kristalle zu vermeiden.
7. Abfüllen
- Der Honig wird in saubere, lebensmittelechte Gläser oder Behälter abgefüllt.
- Die Behälter müssen frei von Keimen und Verunreinigungen sein.
- Der abgefüllte Honig ist nun lager- und verkaufsfertig.
8. Rückgabe der Waben
- Die leeren, ausgeschleuderten Waben werden den Bienen zurückgegeben, damit sie diese reinigen und erneut mit Honig füllen können.
- Nach der Ernte beginnt die Vorbereitung der Bienenvölker auf den Winter, inklusive Fütterung.
FAQ
Wann findet die Honigernte statt?
Der genaue Zeitpunkt der Honigernte hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der regionalen Witterung und den Blütezeiten der Pflanzen in der Umgebung. In den meisten Fällen findet die Honigernte typischerweise im späten Frühling oder im Sommer statt.
Es ist wichtig zu beachten, dass der Zeitpunkt der Honigernte auch von der Art der Imkerei abhängen kann. Einige Imker praktizieren eine Form der Imkerei, die als „naturgemäß“ bezeichnet wird und bei der der Honig erst entnommen wird, nachdem die Bienen ihre Honigvorräte für den Winter angelegt haben.
Wie oft kann ich eine Honigernte durchführen?
In der Regel kann man einmal im Jahr eine Honigernte durchführen. Einige erfahrene Imker können unter bestimmten Bedingungen auch mehrere Honigernten pro Jahr durchführen. Zum Beispiel, wenn es in Ihrer Region ein mildes Klima gibt und genügend Blüten zur Verfügung stehen, können Sie möglicherweise zwei oder drei Honigernten pro Jahr durchführen.
Es ist jedoch wichtig, die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Bienenvölker im Auge zu behalten. Eine zu häufige Honigernte kann die Honigproduktion der Bienen beeinträchtigen und sie schwächen.
Wie lagere ich den geernteten Honig am besten?
Nach der Honigernte ist es wichtig, den geernteten Honig richtig zu lagern, um seine Qualität und seinen Geschmack zu erhalten. Hier sind einige Tipps zur Lagerung von Honig:
- Lager den Honig an einem kühlen und trockenen Ort. Eine Temperatur zwischen 10 und 20 Grad Celsius ist ideal.
- Bewahre den Honig in einem luftdichten Behälter auf, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit und Gerüche den Honig beeinträchtigen.
- Vermeide direkte Sonneneinstrahlung auf den Honig. UV-Strahlen können den Honig beschädigen und seine Qualität beeinträchtigen.
- Wenn der Honig länger gelagert werden soll, kann man ihn auch im Kühlschrank aufbewahren. Der Honig wird dadurch kristallisieren, dies beeinflusst aber nicht seine Qualität.
- Achte darauf, dass der Behälter, in dem der Honig aufbewahrt wird, sauber und frei von Rückständen ist. Honig zieht leicht Schmutz und Staub an, was den Geschmack beeinträchtigen kann.
- Vermeide es, den Honig in Metallbehältern oder solchen aus Aluminium zu lagern. Diese Materialien können mit dem Honig reagieren und den Geschmack beeinträchtigen.
Wie beeinflusst die Umgebung die Honigernte?
Die Umgebung kann einen erheblichen Einfluss auf die Honigernte haben. Hier sind einige der Faktoren, die die Honigernte beeinflussen können:
- Wetterbedingungen
- Vegetation
- Umweltverschmutzung
- Bienenpopulation
- Imkerpraktiken
Wie lange dauert der gesamte Prozess der Honigernte?
Warum ist die Fütterung der Bienen nach der Honigernte wichtig?
Was ist der Unterschied zwischen einer Frühjahrs- und einer Sommerernte?

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